Eine Alarmübung ohne Drehbuch und mit Massenanfall von „Verletzten“


„Wir alle hoffen, dass so ein Szenario niemals als Ernstfall bei uns eintritt,“ sagte der Fachberater für Chemie, Gerd-Ludwig Schmidt, am Montagabend nach geschlagener Schlacht. Das Reaktionsteam von Sigma-Aldrich, die Feuerwehr Steinheim und hauptamtliche wie ehrenamtliche Rettungsdienstler des Roten Kreuzes waren zu einer kleinen Katastrophenübung ausgerückt.
Martin Prager hatte die Übung ausgeheckt, zehn realistisch geschminkte „Verletzte“ versteckt. Dann konnte die Übung ohne Drehbuch starten, von der der einsatzleitende Hauptkommandant Eberhard Kieser hinterher sagen musste: „Das war nahe am Ernstfall“.
Ausgangslage war eine umgefallene Flasche, aus der Chemikalien ausliefen, die wiederum üble Dämpfe entwickelten. Mehrere Personen erlitten Atemwegsverletzungen, ein beginnender Brand schnitt vor allem wegen des Rauchs jede Fluchtmöglichkeit ab.
Das Reaktionsteam unter Leitung von Manfred Eichhorn machte sich unter Schutzanzug und Atemschutz auf die Suche nach den Arbeitskollegen. Schnell stand fest: „Zehn fehlen.“ Zwei waren unter einem umgestürzten Regal eingeklemmt und mussten durch die Feuerwehr unter Spreizer- und Hebekissen-Einsatz gerettet werden.
Das Rote Kreuz hatte unter freiem Himmel einen Hauptverbandsplatz eingerichtet, auf dem Brand- und andere Verletzte erstversorgt wurden. Der Mimtrupp aus DRK-Mitgliedern und Jugendrotkreuz spielte so hervorragend, dass Einsatzkräfte zeitweise in Panik gerieten. Die Einsatzleitung hatte Kurt Schwäble. Der Stellvertretende Rettungsdienstleiter Jens Hofele bestätigte den 14 Rettungssanitätern des DRK „professionelle Hilfe“.
Dem Krisenreaktionsteam Sigma-Aldrich gehören zwölf Werksangehörige an. Steinheims Feuerwehr setzte 36 Feuerwehrleute mit vier Fahrzeugen ein, wobei der aus zwei B-Leitungen gespeiste Monitor den großen Löschangriff möglich machte: 45 Meter weit wurde der Schaum geschleudert; das Löschwasser traf in 60 Metern Distanz auf das angenommene Feuer.
Bei der Manöverkritik herrschte Einigkeit, bei so einer Schadenslage die Feuerwehr-Abteilungen Sontheim und Söhnstetten hinzuziehen und je nach Situation den Gefahrgutzug der Feuerwehren des Landkreises. Menschenrettung gehe vor Schadensbegrenzung. Weitere Übungen sollen folgen, betonten Schmidt und Kieser unisono.